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Sie kämpfen um jedes Leben - ein Rückblick auf die DRK-Soforthilfe im Jahr 2015 (vom 26.01.2016)
Sie kämpfen um jedes Leben - ein Rückblick auf die DRK-Soforthilfe im Jahr 2015
2015 zeigt deutlich, was humanitäre Helfer leisten und dass die DRK-Auslandshilfe immer stärker auf akute Krisensituationen reagieren muss.

Das vergangene Jahr hält einen traurigen Rekord: Noch nie waren mehr Menschen weltweit auf der Flucht. Wahrscheinlich wird dieser Rekord schon bald übertroffen. Denn auch in diesem Jahr überqueren Millionen Menschen internationale Grenzen oder werden in ihrem Heimatland vertrieben. Sie sind täglich massiver Gewalt ausgesetzt, erhalten nur unzureichend Wasser, Essen, Obdach und werden medizinisch kaum versorgt.

Syrien

Die Situation in Syrien ist zur größten humanitären Krise seit Jahrzehnten geworden. Die Hilfe, die das DRK leistet, ist weiterhin in erster Linie Überlebenshilfe. Wir unterstützen unsere Schwestergesellschaften in Syrien und seinen Nachbarländern vor allem mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs. Außerdem begleiten wir den Aufbau der logistischen Infrastruktur des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds (SARC). Dies ist für viele Menschen in Syrien überlebenswichtig: Denn der SARC ist als einzige Hilfsorganisation im ganzen Land tätig. So erreichten wir 2014/2015 mit über 470.000 Hilfspaketen mehr als 1,5 Millionen Menschen – auch in belagerten und schwer zugänglichen Gebieten. Erst im Oktober letzten Jahres haben beispielsweise 31 Lastwagen die schwer umkämpften Städte Foua und Kifraya im Nordwesten Syriens nahe der Stadt Idlib erreicht. Fast 40.000 eingeschlossene Menschen konnten mit Hilfsgütern versorgt werden. Hilfslieferungen sind im Winter besonders wichtig. Denn durch die Eiseskälte, Schnee und Regen verschärft sich die besorgniserregende humanitäre Situation für die Flüchtlinge erheblich. Darum leistet das DRK in Syrien, aber auch im Nord-Irak wieder eine Winterhilfe, bei der wir zum Schutz vor der Kälte wärmespendende Heizöfen, Decken und Isoliermatten verteilen.

Griechenland und Mazedonien

Mit der Situation in und um Syrien gehen auch die Flüchtlingsbewegungen über die sogenannte „Balkanroute“ einher. Hunterttausende sind 2015 über die Ägäis geflüchtet. Der Strom der Verzweifelten, die auf der Flucht nach Europa ihr Leben riskieren, reißt nicht ab. Auch hier unterstützen wir unsere Schwestergesellschaft, das Griechische Rote Kreuz, die riesigen Herausforderungen zu bewältigen. Zum einen kümmern wir uns darum, den Hygienebedarf zu decken. Zum anderen verteilen wir Parka-Jacken, um die Flüchtlinge vor der Kälte zu schützen. Das angrenzende Mazedonien ist ähnlich belastet wie Griechenland. Hier versorgen ir die Notleidenden mit Lebensmitteln, Hygienepaketen und stellen eine Feldküche und einen Transporter bereit.

Jemen

Im Jemen sind laut den Vereinten Nationen (UN) bereits 2,3 Millionen Jemeniten im eigenen Land auf der Flucht. Schon vor dem aktuellen bewaffneten Konflikt lebte mehr als jeder zweite Jemenit in Armut, ohne Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Nun droht dem Land eine Hungersnot. 14 Millionen Menschen können ohne humanitäre Hilfe kaum überleben. Das DRK unterstützt mit finanzieller Hilfe des Auswärtigen Amtes seine Schwestergesellschaft, den Jemenitischen Roten Halbmond (YRCS) bei der Trinkwasser-und Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. Zusätzlich liefern wir Decken, Küchensets und Hygiene-Kits für den unmittelbaren Bedarf der geflüchteten Familien. Im letzten Oktober hat nun auch noch der Zyklon Chapala das Land heimgesucht. Laut den UN sind über eine Million Menschen von den Folgen des Wirbelsturms betroffen.

Nepal

Während das Weltgeschehen zunehmend von kriegerischen Auseinandersetzungen bestimmt wird, sind andere Regionen Naturkatastrophen ausgesetzt. Allein die schweren Erdbeben im April und Mai 2015 in Nepal forderten fast 9.000 Menschenleben und hatten Auswirkungen auf 5,6 Millionen Betroffene. Die Nothilfe durch die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung war beeindruckend: Neben den etwa 8.000 einheimischen Freiwilligen waren ungefähr 300 Rotkreuzmitarbeiter aus über 30 nationalen Gesellschaften im Einsatz. Auch eine Maschine des DRK landete bereits vier Tage nach dem Beben in Kathmandu mit den ersten 60 von 105 Tonnen Hilfsgütern. Insgesamt erhielten mehr als 110.000 Familien Notunterkünfte, über 90.000 Menschen wurden medizinisch versorgt. Mittlerweile ist die Nothilfephase abgeschlossen. Der Wiederaufbau hingegen wird noch Jahre dauern.

Westafrika

Ein wichtiger Nothilfe-Einsatz war 2015 der Kampf gegen Ebola. Das Virus hatte ab März 2014 in den am meisten betroffenen Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia fast 40 Prozent der 28.607 Erkrankten getötet. Durch das anfängliche Chaos und die Unwissenheit über die Gefahren waren auch unter den medizinischen Helfern über 500 Opfer zu beklagen. Unsere lokalen Schwestergesellschaften verbreiteten mit höchstem Einsatz das dringend benötigte Gesundheits- und Hygienewissen. Auch das DRK war mit 97 Freiwilligen vor Ort, stellte u.a. den Leiter des Behandlungszentrums in Kenema (Sierra Leone) und betrieb in Monrovia (Liberia) eine Infektionsstation für Patienten mit Ebola-Symptomatik. Neben der Behandlung von Erkrankten bildeten die internationalen Rotkreuzler über 10.000 lokale Freiwillige aus. Diese halfen, die Lage zu meistern und werden auf zukünftige Epidemien vorbereitet sein. Aktuell herrscht Hoffnung: In Liberia wurden Anfang November nur noch drei neue Fälle und in Guinea ein neuer Fall gemeldet. Sierra Leone galt als Ebola-frei, am 14.01.2016 wurde jedoch ein vereinzelter neuer Fall gemeldet.

Ausblick

Für das DRK setzt sich die Fokussierung auf Krisenländer fort. Die Herausforderungen sind komplex, gleichzeitig steigt der Bedarf stetig. Humanitäre Helfer sind in der Lage, auch in den schwierigsten, gefährlichsten und gewalttätigsten Krisen der Welt zu agieren. Sie alle nehmen höchste persönliche Risiken auf sich und arbeiten oft jenseits des Vorstellbaren. Allein 2015 sind mehrere Dutzend Helferinnen und Helfer der Schwestergesellschaften und des IKRK im Einsatz getötet worden. Ihnen gilt unser höchster Respekt und Anerkennung. Wir bitten Sie, diesen mutigen Einsatz auch zukünftig zu unterstützen.


Quelle: drk.de
© Fotos: Charlotte Hyest / Belgisches Rotes Kreuz
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